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Nationalpark Schwarzwald Informations- und Besucherzentrum

Planungswettbewerb Nationalpark Schwarzwald Informations- und Besucherzentrum am Ruhestein, 1.Phase

Für das Besuchs- und Informationszentrum Nationalpark Schwarzwald wird ein Ensemble aus drei Einzelkörpern vorgeschlagen, die sich als vertikale Monolithe aus der Topografie und dem Waldpanorama schälen. Dieses Ensemble wird auf dem Planungsgebiet Süd, im östlichen Bereich des heutigen Parkplatz-Plateaus errichtet und bündelt die zukünftigen Nutzungen und Funktionen an einem Ort. Die lose Anordnung der Baukörper spiegelt eine naturräumliche Situation wieder – eine Felsengruppe, die aus dem Wald auftaucht und über die umgebenden Baumwipfel ragt. Durch den Gebäudemaßstab und die abstrakten Volumen wird der Weitläufi gkeit der umliegenden Panoramen ein Kontrapunkt gesetzt.
Die Baukörperkonfi guration folgt zwei städtebaulichen Zielen:

– die Schaffung einer akzentuierten Präsenz zum Straßenraum der Passstraße (L 401) durch zwei am Waldrand angeordnete, leicht hintereinander gestaffelte Baukörper, die durch ihre Höhe und Position auch von der Bundesstraße (Schwarzwaldhochstraße) wahrnehmbar sind.

– die Schaffung einer geschützten Situation, welche den dritten Baukörper mit der Ausstellung vom Straßenraum abschirmt und das Eintauchen in den Naturraum visuell und akustisch unterstützt.

Die drei Baukörper weisen eine rechteckige Grundrissform auf. Durch leichte Verschiebung und Torsion der Ebenen zueinander entstehen differenzierte Gebäudevolumen, deren Ähnlichkeit sie
formal zu einer visuellen Einheit verschmelzen lässt. Der Geländeverlauf zwischen Straßenraum und Gebäude wird remodelliert und orientiert sich an der natürlichen Topografie. Die Bauvolumen werden an der entstehenden und vorhandenen Hangtopografi e ausgerichtet, die eine Höhenstaffelung der Gebäude entsprechend der umgebenden Baumhöhen ermöglicht. Die Gebäudehöhe liegt im Mittel bei 25,00m über der Geländeoberkante; die am Waldrand positionierten Gebäude weisen damit eine Gebäudehöhe auf, die sich an der Firsthöhe der gegenüberliegenden Villa Klump orientiert. Die zwei am Waldrand positionierten Gebäudevolumen inszenieren den Waldsaum als Übergangsraum zwischen einer durch das Automobil domestizierten (Kultur-)Landschaft und der ‚wilden und ursprünglichen‘ Natur. Sie bilden den Zugangsraum, in dem die abstrakte und theoretische Auseinandersetzung mit der Natur und dem Park sattfindet:

Der aus dem Waldsaum am deutlichsten hervortretende Baukörper konzentriert die öffentlichen Nutzungen jenseits der Ausstellung – hier sind die Funktionsbereiche Bildung, und Veranstaltung mit angeschlossener Gastronomie untergebracht. Der Besucher nimmt hier die Position des Beobachters ein. Durch Fachleute angeleitet, werden ihm hier unterschiedlichen Zugangsperspektiven zum Thema nähergebracht. Der leicht zurückversetzte Baukörper nimmt die Verwaltungsbereich auf – hier konzentriert sich in Form der Park- und Zentrumsverwaltung der Weitblick und der Focus, der zur Formulierung und Umsetzung der übergeordneten Ziele des Nationalparks Schwarzwald notwendig ist.

Die Ausstellung wird in den Wald implantiert und folgt, als ein sich in die Höhe entfaltender Erfahrungsraum, der Baumstruktur. Hier wird der Besucher zum Zuschauer, dem auf unterschiedlichen Ebenen – räumlich, visuell und didaktisch – ein persönlicher Einblick in die Entstehung der Wildnis im Nationalpark ermöglicht wird. Innerhalb der Ausstellung können thematische Zuordnungder Ebenen eingeführt werden. Die Ausstellung beginnt im obersten oder wahlweise auch im untersten Geschoss. Über einen Treppenkern werden die unterschiedlichen Ebenen auf kurzem Wege miteinander verbunden und sind zudem über die entlang des Turmperimeters angeordnete Treppe mit direktem Außenbezug zugänglich. Der Ausstellungsturm wird über das vorgeschaltete Foyer im Zugangsgebäude erschlossen, das auch als Foyer für den Verwaltungsbereich und den Veranstaltungs- und Bildungscluster dient. Das Foyer ist somit die Schnittstelle der internen und externen Dynamiken und zugleich ein Übergang zum anschließenden Erlebnisraum.

Als Verlängerung des externen Zugangs zum Foyer schließt, als dessen direkte Fortführung, ein Steg an. Der Besucher wird aus der vertrauten Situation des konditionierten Innenraums in die Natur entlassen. Die räumliche Zäsur unterstützt dabei ein bewusstes Eintreten in den neuen Erfahrungsraum. Der Zugangssteg schlängelt sich als zusätzliches Erschließungssystem um den Ausstellungsturm und wird zum Wipfelpfad. Dieser bietet einen alternativen Erfahrungsraum in direktem Bezug zur Ausstellung. Durch die Bewegung und das Ein- und Austreten unterstützt die körperliche Erfahrung die persönliche Auseinandersetzung. Die Wechselausstellung ist ebenfalls im Ausstellungsturm, im direkten Anschluss an die Foyerebene, untergebracht. Der Raum der Stille wird auf der gleichen Ebene rückwärtig mit Blick in den Naturraum angeordent.

Die Tragstruktur nimmt die gewachsene radiale Baumstruktur auf. Als dreidimensionale Tragstruktur bietet es eine Redundanz (Fachwerk) und Sturmsicherheit. Die drei Baukörper sind als Nutzungs-Cluster ausgebildet und bündeln die Funktionsbereiche – Ausstellung, Bildung-Veranstaltung-Gastronomie und Verwaltung. Durch die vertikale Anordnung und zentrale Erschließung der Cluster können die Nutzungseinheiten als kompakte Baukörper realisiert werden. Die unabhängige Nutzung der öffentlichen Bereiche und des Verwaltungsbereichs z.B. in den Abendstunden ist durch diese Anordnung leicht zu gewährleisten. Weitere Synergie-Effekte ergeben sich im Bezug auf Infrastruktur, technische Gebäudeausrüstung und fl exible Raumnutzungen, sowie im Hinblick auf den Bauablauf und den laufenden Betrieb.
Der Ausstellungsturm weist als Solitär mit einer defi nierten Schnittstelle zu den übrigen Funktionsbereichen, sowie mit seiner offene Grundstruktur eine Flexibilität auf und lässt hinsichtlich der noch zu entwickelnden szenografi schen Umsetzung der Ausstellung, unterschiedliche räumliche und inhaltliche Konzeptionen zu. Durch die punktförmige Konzentration des Bauvolumens weist das Gebäudeensemble eine geringe Grundfl äche auf und minimiert den Eingriff in die umliegende Natur und Landschaft. Zudem können durch die Bündelung der programmatischen Einheiten auch (Haus-)Technik-Intensive von passiv geregelten Bereichen präzise umgesetzt werden z.B. durch Schaffung baukörperabhängiger, geschossweiser Klimazonen. Die vertikalen Baukörper unterstützen die passive Belüftung der Räume durch den natürlichen Luftstrom und ermöglichen in der Folge die Minimierung der technischen Ausrüstung. Die energetische Optimierung der Gebäudehülle wird durch die geforderten Dämmstärken und Fensteranteile sichergestellt. Der Einsatz von ressourcenschonenden, nachhaltigen Baumaterialien wird durch den Einsatz von Holzbaustoffen z.B. als Fassaden-Tragstruktur und als Fassadenmaterial geplant.
Die Anlieferung und Feuerwehrzufahrt erfolgt über den an der Gebäuderückseite des Zugangsgebäudes bereits existierenden Weg, der hierzu geringfügig in seinem Verlauf angepasst wird. Der Rückbau der heute vorhandenen Parkplatz-Fläche wird angestrebt, um eine großzügige Zugangssituation zum Gebäude zu gewährleisten. Der “renaturierte“ Geländeverlauf soll optisch in das Foyer hineinfl ießen. Die Freifl ächen vor dem Gebäudeensemble werden in Anlehnung an Moorflächen angelegt und können als Retentionsbecken für das Hangwasser genutzt werden.
Der Zugang zum Gebäude erfolgt über Stege, die aufden neu gestalteten Vorplatz münden, der an die Haltebuchten für die Busse anschließt. Die Stege schweben über der neu angelegten Landschaft und machen bereits das Annähern und Eintreten in das Besucherzentrum zum Erlebnis. Der Steg wird auch im weiteren Verlauf als Teil der Inszenierung des Weges durch das Foyer in das Ausstellungsgebäude fortgeführt. Die auszuweisenden Parkplatzflächen werden am südwestlichen Grundstücksteil, entlang der bestehenden Zufahrtstrasse zur Skischanze konzentriert. Die für die Gländemodellierung im Eingangsbereich notwendigen Geländeumschichtungen können zur Erstellung der neuen Parkplatzflächen genutzt werden.

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