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Schul- und Bürgerzentrum am Gadamerplatz Bahnstadt Heidelberg

„Haus des Gemeinsamen Lernens“ – Zweistufiger Hochbau- und Freiflächenrealisierungswettbewerb, Gadamerplatz Bahnstadt Heidelberg, 1. Phase
mit 100Landschaftsarchitektur – Thilo Folkerts – http://www.100land.de/  (externer link)

Mit der Bahnstadt erhält die Stadt Heidelberg einen neuen, Stadtteil in zentraler Lage. Das urbane Quartier ist geprägt von einer hohen Dichte und einer ausgesprochenen Nutzungsmischung. Die Gestaltung und Funktionalität der Platzräume und Freiflächen innerhalb der städtebaulichen Struktur sind ausschlaggebend für die Identität und Akzeptanz des neuen Stadtteils.
In diesem Kontext wird der Gadamerplatz als zentraler Ort mit starken, eigenständigen Architekturen konzipiert, ein offener Raum der gemeinschaftliche Funktionen aufnimmt. Mit den drei Institutionen – Kindertagesstätte, Grundschule mit Turnhalle, Bürgerzentrum – wird der Gadamerplatz zu einer Plattform für gemeinsames Lernen und Leben. Die drei funktionellen Bausteine werden im Erdgeschoss als Einzelvolumen abgebildet und auf der gemeinsamen städtischen Plattform zu einem Ensemble arrangiert. Mit der Setzung der drei Nutzungsbausteine entsteht eine Raumcollage mit differenzierten Räumen und Übergängen.
Die Ablesbarkeit der drei Institutionen verkörpert die Relevanz jedes programmatischen Bausteins als spezifischen, kulturellen Ort. Während die entstehenden Zwischenräume vielfältige Verknüpfungen der Bausteine untereinander ermöglichen, verankern die differenzierten Außenräume diese im angrenzenden Stadtraum. Diese Basiskonfiguration von Körper und Zwischenräum wird entlang der Westseite des Platzes von einem Riegelbau überspannt, der die städtebauliche Kante des Platzes zum westlich angrenzenden, gemischtgenutzten Areal stärkt. Dieser Riegelbau verknüpft die drei Institutionen und schafft ein gemeinsames Dach. Zusammen mit dem Dach bilden die drei Baukörper im Erdgeschoss einen offenen Hofbereich, der gegenüber dem Platzniveau leicht abgesenkt ist. Dieser Zwischenraum, als nicht-öffentliche Freifläche innerhalb des öffentlichen Raumes, wird zum vielseitigen Aufenthalts-, Spiel- und Lernort der einzelnen Nutzungsbausteine ausdifferenziert.

Das Bürgerzentrum orientiert sich am Langen Anger während der Baukörper des Kindergartens den Abschluss des Ensembles zur Grünen Meile bildet. Der langgestreckte Baukörper ist von der Straßenflucht zurückversetzt und schirmt den Hofbereich der Kindertagesstätte und der Grundschule zum nördlichen Straßenraum ab. Gleichzeitig definiert er einen boulevardartigen Platzraum entlang der Grünen Meile. Im Süden geht der Baukörper in eine langgestreckte, breite Rampe über und umschließt die Freifläche der Kindertagestätte. Die Mitte des Ensembles bildet die Mensa und die Aula der Grundschule.

Die für weitere Bauabschnitte konzipierte, weiterführende Schule ist entlang der südlichen Kante des Baufeldes Z1 angeordnet. Das Konzept der Lernplattform und des offenen, mit Einzelvolumen gefassten Freiraums wird fortgeführt. Der hier als erhöhte Fläche konzipierte Schulhof erhält mit der Mensa / Cafeteria im Erdgeschoß, sowie mit der Sporthalle am Zollhofgarten eine öffentlich zugängliche Nutzung im räumlichen Kontext der angrenzenden Sport- und Freizeiteinrichtungen des Zollhofgartens.

Das Freiraumkonzept versteht den Gadamerplatz als Bestandteil einer Raumfolge, welche die Bahnstadt als ‚Grünes Z’ vom Bahnhofsplatz bis zur Pfaffengrunder Terrasse durchzieht und von dort in die offene Feldflur weist. Innerhalb dieser Raumfolge wird der Gadamerplatz als Gelenk formuliert, welches sowohl die unterschiedlichen Richtungen, Funktionen und Atmosphären verknüpft. Das Ensemble der Lern- und Veranstaltungsarchitekturen bildet zusammen mit deren zugeordneten Freiräumen hierin einen verweisenden räumlichen Schwerpunkt. Als offener und öffentlicher Platz wird der Gadamerplatz mit dem geschlossenen Baumdach der Pfaffengrunder Terrasse als Raumpaar formuliert.

Die Gestaltung der unterschiedlichen Bereiche des Gadamerplatzes knüpft an die anschließenden Stadt- und Straßenräume an. Der offene Platzraum wird nach Norden und nach Westen mit mehrfachen Baumreihen gefaßt. Das dichte Baumdach an der Grünen Meile wird aus dem vorhandenen Bepflanzungskonzept, der Quinconce, entwickelt, die Westseite des Platzes nimmt den Baumrhythmus als eigenständige Baumfigur auf dem Platz auf und faßt den Raum als Winkel. Eine Winkelreihe aus Leuchten und Sitzbänken akzentuiert den offenen Platz und faßt das exponierte Ensemble der neuen Gebäude. Sowohl die Freiflächen des Ensembles, wie auch die unterschiedlichen Freiraumbereiche des Platzes erhalten unterschiedliche Beläge, die Funktionalitäten und Atmosphären ausdifferenzieren und die räumliche Zuordnung einzelner Platzbereiche ermöglichen.

Das Prinzip der Verknüpfung mit den angrenzenden Stadträumen gilt auch für das Baufeld Z1. Die Passage verbindet die institutionellen Lern-, Spiel- und Aufenthaltsräume des Gadamerplatzes mit den Freizeiträumen und Sporteinrichtungen im angrenzenden Zollhofgarten und nimmt dessen lineare Freiraumstrukturen auf. Die Sekundarschule kann so bedarfsweise von den Freiflächen des Zollhofgartens profitieren – und vice versa.

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